EXPO 2015 Besuch in Mailand

Expo 2015 BesuchTeil 2: Der EXPO 2015 Besuch

Nach der abenteuerlichen Anfahrt (siehe Teil1) war der EXPO 2015 Besuch dann relativ entspannt. Die Anzahl der Besucher war überschaubar. Lediglich beim deutschen, italienischen und japanischen Pavillon gab es längere Wartezeiten. Da ich keine Lust hatte, länger als 15 Minuten irgendwo anzustehen, habe ich darauf verzichtet, diese Pavillons zu besuchen.
Ansonsten musste ich mir das Motto der EXPO 2015 „Feeding the Planet. Energy for Life“ des öfteren in Erinnerung rufen.

Denn das haben die Länder, die die einzelnen Pavillons betreiben, scheinbar auch vergessen. Interessante Visionen oder spannende Konzepte, wie die Menschen in Zukunft ernährt und mit Energie versorgt werden, konnte ich nirgends entdecken. Das hatte ich von der EXPO 2008 in Zaragoza zum Thema Wasser noch ganz anders in Erinnerung. Da gab es neue Ideen, die zum großen Teil sehr interessant inszeniert wurden.
Die meisten Aussteller in Mailand haben sich wohl eher mit der Frage auseinander gesetzt, wie sie die EXPO 2015 Besucher ernähren können. Denn zu essen gab es an allen Ecken und Enden. Und dass die Italiener Prosciutto San Daniele haben und die Spanier Jamón Serrano wusste ich vorher auch. Inwieweit der Schinken dazu beiträgt, die steigende Weltbevölkerung zuverlässig zu ernähren, erschließt sich mir zudem auch nicht wirklich. Und beim USA-Pavillon mit der Überschrift „American Food 2.0“ musste ich auch mehr an Monsanto denken als an Zukunftskonzepte.

Wenn schon die Länder keine Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft haben, dann ja vielleicht die Unternehmen, die sich auf der EXPO 2015 präsentieren. Zumindest bei New Holland, die die schönen großen Landmaschinen herstellen, die das Herz jedes Mannes höher schlagen lassen, ging es um Energie. Sie präsentierten neben einigen großen Maschinen eine Animation über einen Energie-autarken Bauernhof. Klar, dass der New Holland Maschinen nutzte, die mit Bio-Gas betrieben werden können. Ob jedoch der Hof, der mittels Windrädern, Photovoltaik und Bio-Gas Energie erzeugt, auch noch Nahrungsmittel anbaut, konnte mir der durchaus kompetente Mitarbeiter an dem Exponat auch nicht sagen.
Prädestiniert sich zum Thema Energie zu äußern ist natürlich ENEL, Italiens größter Energieversorger. Hier gab es dann auch interessante Informationen zum Thema Energie über die gesamte Palette der Energieversorgung. Veränderte Verbrauchergewohnheiten wie der durch die Photovoltaik ausgelöste Wandel zum Prosumer, also das Auftreten als Produzent und Konsumer, wurden ebenso thematisiert wie neue Energiequellen. Man muss ENEL bescheinigen, dass sie sich zumindest ernsthaft mit dem Motto der EXPO 2015 auseinander gesetzt haben.
Ansonsten fielen eigentlich nur die Polizei und Carabinieri innovativ auf, die mit einem BMW i3 bzw. einem Mitsubishi MiEV elektrisch unterwegs waren.
Die anderen Unternehmen von Coca Cola über McDonalds bis hin zu Italiens großen Namen wie Ferrero taten dann eher das, was sie immer tun, nämlich ihr Produkte anzupreisen und zu verkaufen. Denn was eine Nutella Concept Bar auf der EXPO zu suchen hat, wurde mir nicht wirklich klar. Denn „Concept“ steht natürlich nicht für Zukunftskonzepte über die Ernährung der Menschen auf unserem Planeten.

Fazit: Der EXPO 2015 Besuch war schon irgendwie enttäuschend. Inhaltlich ist wenig geboten. Die Länder nutzen ihre Pavillons vor allem zur Tourismuswerbung, haben aber zum Thema Nahrung und Energie nicht wirklich etwas beizutragen. Das ganze Projekt EXPO 2015 wirkt, als sei unterwegs das Geld ausgegangen. Einige Pavillons sind auch einen Monat nach Eröffnung noch im Bau. Außerhalb von Mailand konnte ich in Italien keinerlei Zeichen wahrnehmen, dass EXPO 2015 ist.
Wer trotzdem hingehen möchte, dem seien noch meine beiden Favoriten ans Herz gelegt. Die Pavillons von Aserbeidschan und vor allem von England zeigen, dass sich das Thema „Feeding the planet“ mit etwas Kreativität doch interessant darstellen lässt.

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